Hafenschlepper
• Harbour Tug

Ein beobachtetes Portrait • An observed portrait

Wie man aus dem falschen Film, der falschen Kamera und einer guten Gelegenheit eine gelungene kleine Geschichte macht.

„Ich habe heute Abend einen Containerfrachter an die Pier zu bringen – möchtest Du für ein Stündchen mit rausfahren?“

Ein breites, herzliches Lächeln schlägt mir entgegen. Frank der ehemalige Skipper eines Krabbenkutters ist jetzt als Kapitän eines Hafenschleppers aktiv, wir haben uns seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Er war der Protagonist einer meiner ersten ernsthaften Reportagen für eine Nachrichtenagentur. Ich freue mich sehr Ihn zu wieder zu sehen, ein Zufallstreffen.

Cuxhaven, ein sonniger Herbstnachmittag, ich habe einer meiner selten Vorhaben umgesetzt – ich bin mit meiner alten analogen Kamera unterwegs und fotografiere nur für mich. Ein niedrigempfindlicher Schwarz-Weiß Film, nur eine Optik, ein gemäßigtes Weitwinkel. Gewiss nicht die Basis für eine kommerzielle Geschichte. Ich schlucke und rechne mir die Chance aus, geeignetes Equipment von zu Hause zu holen und verwerfe es gleich wieder – das klappt nicht.

„Na klar – ich bin dabei“ höre ich mich sagen. Der 1300 PS Schlepper ist einer von fünf, die an dieser Stelle an der Einfahrt von der deutschen Bucht in die Elbe ihren Dienst tun.

Es geht alles schnell und routiniert. Für das Ablegen braucht er keine zwei Minuten, schon sind wir mit großer Bugwelle in der Elbmündung unterwegs. Die Belichtungszeit streckt sich in die Länge, es wird bereits dunkel und ich muß bald passen. Der Film muss sicher extrem verlängert entwickelt werden, will ich da noch etwas heraus holen. Allerdings haben diese Beschränkungen auch einen positiven Effekt: Die Konzentration auf die wesentlichen Momente.

Frank bugsiert den Schlepper mit schlafwandlerischer Sicherheit vor den Bug des Frachtschiffs und der Vormann bekommt ein Fangseil zugeworfen. Alles passiert fast gleichzeitig. Während der Schlepper den Frachter langsam an die Pier schiebt, höre ich auch schon die Rufe der Festmacher-Mannschaft. Es ist jetzt fast dunkel und ich kann nur mehr die Aktionen im Kegel des Arbeitsscheinwerfers sehen.

Ein spannendes Erlebnis an einem ruhig begonnen Spätnachmittag.

„Lass mal Bilder sehn“ ruft mir Frank nach als wir uns verabschieden. Eine gelungene kleine Geschichte belohnt mich nach einer Runde im Fotolabor.

English text below the gallery

How to make a successful little story out of the wrong film, the wrong camera and a good opportunity.

“I have to bring a container ship to the pier this evening – would you like to go out for an hour?”

A broad, warm smile strikes me. Frank the former skipper of a crab cutter is now active as a harbor tug captain, we haven’t seen each other in ten years. He was the protagonist of one of my first serious reports for a news agency. I am very happy to see him again, a coincidence.

Cuxhaven, a sunny autumn afternoon, I have implemented one of my rare projects – I am on the go with my old analog camera and take pictures only for myself. A low-sensitivity black and white film, only one optic, a moderate wide angle.

Certainly not the basis for a commercial story. I swallow and think I have the chance to get suitable equipment from home and immediately reject it – it doesn’t work.

“Of course – I’m there,” I hear myself say. The 1500 HP tug is one of three that do their job at the entrance to the German bay into the Elbe river.

Everything happens quickly and routinely. It takes less than two minutes to cast it off, and we are on our way with a large bow wave in the mouth of the river.

The exposure time stretches, it is already getting dark and I have to fit soon. The film has to be developed extremely extended, I want to get something out of it.

However, these restrictions also have a positive effect: the focus on the story-telling moments.

Frank pushes the tug with sleepwalking security in front of the bow of the cargo ship and the foreman is thrown a rope. Everything happens almost simultaneously. As the tug slowly pushes the freighter to the pier, I can already hear the calls from the mooring team. It is almost dark now and I can only see the actions in the cone of the work light.

An exciting experience on a quietly started late afternoon.

“Let me see some pictures” calls Frank after we say goodbye. A successful little story rewards me after a round in the darkroom.

• translated by Google •

© 2019 by Christian Hager